Abstracts





Prof. Dr. Hartmut Esser (Universität Mannheim)
Methodische Herausforderungen für die wissenschaftliche Begleitung von Sprachförderprogrammen

Es wird in dem Beitrag auf die allgemeinen Probleme der Beziehung zwischen wissenschaftlichen Analysen und deren politisch-praktischer Umsetzung eingegangen, darunter insbesondere auf die Frage, welche Anforderungen an Hypothesen über "kausale" Effekte zu stellen sind. Vor diesem Hintergrund wird auf die inzwischen vorliegenden Resultate zu den Mechanismen und Bedingungen des Spracherwerbs eingegangen, darunter auch auf Ergebnisse von Forschungen im Kontext der Landesstiftung. Den Abschluss bilden einige Bemerkungen zu dem - oft komplizierten - Verhältnis von wissenschaftlich belegbaren und öffentlich bewerteten Hypothesen über die Mechanismen und Bedingungen der Intergration von Migranten(kindern).


Prof. Dr. Ingrid Gogolin (Universität Hamburg)
Evaluation der Programme "Sag' mal was" und FörMig - ein Vergleich

In zehn Bundesländern wird 2004 bis 2009 das Modellprogramm "Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund FörMig" durchgeführt. Ziel dieses Programms ist die Entwicklung von strukturellen und inhaltlichen Konzepten, die geeignet sind, eine "durchgängige Sprachbildung" zu gestalten. Diese richtet sich auf die Förderung der spezifisch "bildungssprachlichen Fähigkeiten", die eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und bessere Chancen auf Bildungserfolg sind. Aufgrund der Besonderheiten des deutschen Bildungssystems konzentrieren sich die Maßnahmen im Programm auf die drei entscheidenden "Schnittstellen" in einer Bildungsbiographie:

Für das Programm wurde ein umfassendes Evaluationskonzept entwickelt.
Es beinhaltet:

Im Beitrag werden das Design der Evaluation sowie Zwischenergebnisse vorgestellt. Dabei wird auf die unterschiedlichen Wege der Evaluation im Vergleich zu "Sag' mal was" eingegangen.


Prof. Dr. Wolfgang Klein (Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Nijmegen)
Ein anderer Blick auf den Spracherwerb

Eine Sprache zu lernen, ist eine naturgegebene Fähigkeit, von der die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens wiederholt - und mit unterschiedlichem Erfolg - Gebrauch machen. Der Sprachunterricht ist immer ein Versuch, in diesen Prozess einzugreifen, um ihn zu optimieren. Deshalb musste man eigentlich wissen, was die Gesetzlichkeiten des Spracherwerbs sind und von welchen Faktoren sein Erfolg abhängt. Nun wissen wir über den Spracherwerb sehr viel mehr als noch vor dreißig oder vierzig Jahren. Dennoch ist unser Wissen sehr unvollständig. Einer der Gründe ist vielleicht auch, dass wir den Spracherwerb falsch betrachten - nämlich als die Aneignung eines Systems mit bestimmten lexikalischen und strukturellen Eigenschaften, statt als den Erwerb der Fähigkeit, einen komplexen Gedanken in eine Schall- oder Buchstabenfolge umzusetzen und umgekehrt. Eine stärkere Fokussierung auf diesen Aspekt würde vielleicht auch einen anderen Blick auf die Möglichkeit der Intervention, eben den Unterricht, eröffnen.


Prof. Dr. Sabine Weinert (Universität Bamberg)
Entwicklungspsychologische und linguistische Aspekte frühkindlichen Spracherwerbs

Der Spracherwerb gehört zu den zentralen Entwicklungsaufgaben in der Kindheit. Interessanterweise gelten Sprache/Spracherwerb sowohl als besonders robuste Merkmale des Menschen als auch als besonders anfällig für Beeinträchtigungen.

Vor diesem Hintergrund wird in dem Vortrag zunächst kurz auf Meilensteine und Bedingungen des Spracherwerbs eingegangen und hierauf aufbauend nach bedeutsamen Varianzquellen für interindividuelle Unterschiede im Spracherwerb gefragt. Dabei werden sowohl Ursachen "im Kind" als auch Bedingungen in der Umwelt vor dem Hintergrund empirischer Studien diskutiert und Folgerungen für Sprachstandserhebungen/Diagnose und Sprachförderung/Therapie gezogen.

letzte Änderung: 07.05.2009 Seite drucken

In Kooperation mit
Landesinstitut für Schulentwicklung Zukunft aus Baden-Württemberg